Die Entwickler von Solana haben kürzlich ein umfassendes Upgrade des Blockchain‑Netzwerks vorgestellt, das die Wirtschaftlichkeit der Validatoren und die Handhabung von Gebühren und Staking beeinflussen kann. Dieses Upgrade weckt jedoch auch Bedenken, insbesondere in Bezug auf Netzgebühren und die Angebotsdynamik von SOL. Einige Halter befürchten, dass das Upgrade Solana inflationärer machen könnte und damit Druck auf den Kurs ausübt.
Am Mittwoch, den 12. Februar, wurde das Upgrade SIMD‑96 auf Solana eingeführt. SIMD‑96 bringt unter anderem Änderungen an der Zuteilung von Transaktionsgebühren im Zusammenhang mit Staking‑Belohnungen und ermöglicht neue Muster beim Liquid Staking. Wichtiger Hinweis: Die genaue Wirkung auf Verbrennungs- und Gebührenmechanismen hängt von der finalen Implementierung und den aktuell aktiven Protokollparametern ab; Pauschalaussagen zur prozentualen Aufteilung vor und nach dem Upgrade sollten deshalb mit Vorsicht gelesen werden.
Im bisherigen Modell wurden Netzwerkgebühren teilweise zur Reduzierung des zirkulierenden SOL‑Angebots genutzt; diese Burns hatten tendenziell einen deflationären Effekt. SIMD‑96 verändert die Art und Weise, wie Gebühren und Prioritätszahlungen in die Belohnungen für Validatoren einfließen. Anstatt definitive Prozentsätze zu behaupten, ist korrekt zu sagen: Einige zuvor verbrannte Gebührenbestandteile können jetzt stärker den Validator‑Erträgen zugewiesen werden, was die Nettobilanz von Burn vs. Ausgabe beeinflusst. Um die tatsächlichen Auswirkungen auf die tägliche Burn‑Rate und die Nettoinflation quantitativ zu beurteilen, sind Messungen anhand aktueller On‑Chain‑Daten (SOL/Tag bzw. USD/Tag) und eines aktuellen SOL‑Spotpreises erforderlich.
Wird Solana dadurch automatisch deutlich inflationärer? Nicht zwangsläufig. Die Einführung oder Anpassung von Staking‑Belohnungen führt zwar zu einer erhöhten Token‑Emission für Stake‑Rewards, gleichzeitig können andere Faktoren (z. B. veränderte Nutzungsgebühren, neue Verbrennungsmechaniken, Änderungen im Netzwerkdurchsatz) die Nettoauswirkung abmildern. Behauptungen über konkrete tägliche Inflationserwartungen sollten auf aktuellen On‑Chain‑Messungen basieren; pauschale Schätzungen ohne solche Daten sind irreführend.
Ein weiterer zentraler Punkt ist das Thema Liquid Staking Tokens (LSTs). Das Upgrade selbst stellt keine fertigen, zentralisierten LST‑Produkte bereit, sondern öffnet bzw. erleichtert technische Wege, über die Validatoren oder Drittanbieter Smart‑Contracts/Programme bereitstellen können, die derivative, gut handelbare Token (LSTs) ausgeben, die durch gestakte SOL‑Einlagen gedeckt sind. In der Praxis bedeutet das: Ein Validator oder ein Dienstleister kann einen LST‑Vertrag deployen, der anteilige Ansprüche auf gestaktes SOL repräsentiert. Solche Implementierungen bringen jedoch konkrete technische und betriebliche Einschränkungen mit sich – etwa Kontrakt‑Risiken, Custody‑Fragen, Abwicklungsmechanismen beim Unstaking und mögliche Vorgaben im Falle von Slashing.
Die Aussage, “jeder Validator kann automatisch ein eigenes LST erstellen”, ist deshalb zu relativieren: Die Protokolländerungen erlauben und erleichtern LST‑Modelle, aber die Verfügbarkeit, das Design und die Wirtschaftlichkeit dieser LSTs hängen von den jeweiligen Implementierungen, von Sicherheitsprüfungen und von den Entscheidungen der Validatoren/Anbieter ab.
Zu Jito, MEV und Prioritätsgebühren: Dienste wie Jito sind Teil des Solana‑MEV‑Ökosystems und bieten Mechanismen, mit denen Validatoren zusätzliche Einnahmen aus Reordering, Bundling oder Priority‑Fees erzielen können. Dass MEV‑Erträge die Rendite von LSTs steigern können, ist grundsätzlich möglich, jedoch nicht automatisch. Die Verteilung hängt von Integrationsentscheidungen (z. B. ob und wie ein LST‑Contract MEV‑Einnahmen an seine Inhaber weiterleitet), von den Splits zwischen Aggregatoren, Validatoren und LST‑Issuern sowie von regulatorischen und technischen Governance‑Entscheidungen ab.
Ein häufig geäußerter Angstszenario lautet, Validatoren könnten sich zusammentun und massenhaft gefälschte oder Bot‑Transaktionen erzeugen, um Prioritätsgebühren zu erzwingen und so MEV‑Erträge zu steigern. Diese Gefahr ist plausibel, doch es existieren bereits mehrere technische und wirtschaftliche Ansätze, um Spam‑ bzw. MEV‑Missbrauch einzudämmen. Dazu gehören Netzwerk‑Level‑Spam‑Schutzmechanismen, Fee‑Marktdesigns, Ratenbegrenzungen, sowie Vorschläge und Tools von Entwicklern und MEV‑Aggregatoren, den Anreiz zur Erzeugung rein künstlicher Transaktionen zu reduzieren. Ob alle dieser Maßnahmen bereits vollständig aktiv sind oder noch in Arbeit sind, hängt vom jeweiligen Implementierungsstand; deshalb ist hier Vorsicht bei verallgemeinernden Aussagen geboten.
Zusammenfassend: SIMD‑96 und die begleitenden Veränderungen eröffnen Chancen für Validatoren und für die Entwicklung von LST‑Angeboten. Die tatsächlichen Effekte auf Burn‑Raten, Nettoinflation und die Wirtschaftlichkeit von Validatoren hängen jedoch von konkreten Protokollparametern, On‑Chain‑Metriken und den Entscheidungen von Validatoren/Anbietern ab. Pauschale Behauptungen über “Hyperinflation” sollten durch aktuelle On‑Chain‑Analysen untermauert werden.
Auffallend ist, dass Multicoin Capital, ein frühes Investmentunternehmen in… Read More